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Arthur Lourié

*14. Mai 1892 St. Petersburg – †12. Oktober 1966 Princeton (N.J.)

Lourié war ein bedeutender Russischer Komponist. In den Anfängen der Russischen Revolution nach 1917 spielte Lourié eine wichtige Rolle beim Aufbau des Sowjetischen Musiklebens, ging aber bereits 1922 ins Exil. Seine Musik widerspiegelt seine engen Beziehungen zu den Dichtern und Künstlern des Silbernen Zeitalters in St. Petersburg und zu Igor Strawinsky in Paris.

Biografie

Werkverzeichnis

Russische Karriere

Lourié kam in einer wohlhabenden jüdischen Familie zur Welt, konvertierte aber noch in Russland zum christlichen Glauben. Nach einem autodidaktischen Beginn studierte er von 1909 bis 1913 am St. Petersburger Konservatorium Klavier bei der Busoni-Schülerin Maria Barinowa und Komposition bei Alexander Glasunow. Er verliess das Konservatorium ohne Abschluss, fand Anschluss an die futuristischen Künstlerkreise und befreundete sich mit der Dichterin Anna Achmatowa, deren Lyrik er 1914 als erster vertonte.
Seine frühen Klavierstücke setzen bei Chopin und Debussy und dem Spätwerk Skriabins an, entwickeln aber neue Formen des musikalischen Diskurses. Wegmarken sind die Synthèses von 1914 in einer frühen Form von Dodekaphonie und sein bekanntestes Klavierstück, die ziemlich kubistischen Formes en l’air (1915) in einer innovativen graphischen Notation.
Als Mann von umfassender Bildung, der ein Image als Dandy und Ästhet kultivierte, vertonte Lourié in seinem umfassenden und wenig bekannten Vokalwerk Texte von Sappho, Puschkin, Mallarmé, Verlaine, Blok, Maiakowski, Dante, von klassischen lateinischen und mittelalterlichen französischen Dichtern.
Er war auch ein talentierter Schriftsteller und Maler.

Ins Exil

Nach der Revolution von 1917 wirkte Lourié als erster Chef der Musikabteilung des Volkskommissariats für Aufklärung. Obwohl seine Sympathien dem linken Flügel der Revolution gehörten, geriet er ins Visier der neuen Machthaber und musste Russland 1922 verlassen. Nach einem Zwischenjahr in Berlin und Wiesbaden kam er nach Paris, wo er sich 1924 niederliess. Hier wurde er einer von Strawinskis wichtigsten Verfechtern. Lourié wurde eine Art persönlicher Assistent, er schrieb Klavierreduktionen und verfasste Artikel über die Musik seines Landsmanns; zeitweise wurde er gar zu einem Teil des Strawinskischen Haushalts. Lourié und die Strawinskis trennten sich in den späten Dreissigern über einem Streit mit Igors zweiter Frau Vera. Strawinski verwischte danach sämtliche Spuren Lourié‘s in seinem Leben.
Die frühe Radikalität aus der St. Petersburger Zeit verwandelte sich in Paris in eine Form von Neoklassizismus und russophiler Nostalgie; die religiösen und mystischen Aspekte in seiner Musik und in seinen Schriften treten hervor.
Er komponierte in Paris u.a. eine Oper The Feast during the Plague (nach Puschkin), ein vielbeachtetes Klavierkonzert Concerto Spirituale (1929) und zwei Symphonien (die erste mit dem Titel Sinfonia dialectica), welche unter Furtwängler, Mengelberg, Stokowski, Ansermet und Koussevitsky zu Aufführungen kamen.

Amerikanische Jahre

Als die Deutschen 1941 Paris besetzten floh Lourié mit der Unterstützung von Serge Koussevitsky in die USA. Er liess sich in New York nieder. Im amerikanischen Exil gelang es Lourié, die verschiedenen Einflüsse in einen Stil von grosser persönlicher Eigenart zu verschmelzen; seine Werke verzeichnen beachtliche kompositorische Meisterschaft. Er schrieb 12 Jahre lang an der grossen Oper Der Mohr Peter des Grossen (1949-61) nach Puschkin. Obwohl Leonard Stokowski eine etwas lapidare Orchestersuite eingespielt hat, ist dieses 3aktige Opus Magnum noch nie aufgeführt worden